In den Gründerinterviews stelle ich Dir interessante Personen vor, die selbst ein Unternehmen gegründet haben und verschiedene Arten der  Finanzierung gewählt haben.

Heute habe ich für dich mit Lucas Beier ein Interview geführt. Er hat für die Finanzierung des Wachstum seines Unternehmens Fremdkapital gewählt und dabei den Gründerkredit der KfW in Anspruch genommen. In diesem Interview verrät er uns warum er sich für diesen Weg entschieden hat und warum er die Kreditaufnahme gar nicht so belastend empfindet.

Hallo Lucas, danke dass ich Dich interviewen darf. Erzähl doch kurz etwas über dich.

Mein Name ist Lucas und ich besitze eine eigene Brand im Bereich Fahrradzubehör. Das Businessmodel basiert auf klassischem Handel, allerdings mittels reinem Online-Vertrieb über die Plattform Amazon. Dabei wird das sog. Amazon FBA-Modell genutzt. Amazon verpackt und versendet alle Artikel an den Kunden direkt. Somit kann ich mich als Händler auf die reine Produktentwicklung, den Import und die Vermarktung kümmern und bin nicht in den Versandprozess involviert, was viel Zeit spart.

Klingt spannend, aber sehr kapital-lastig, da man die Produkte erst entwickeln und einkaufen muss. Wie hast du angefangen?

Gestartet hatte ich mein Business mit einem volumenstarken Artikel. Wie im Handel so üblich ist ein Wachstum nur durch mehr Volumen auf bereits bestehenden Artikeln oder eben durch neue Artikel möglich. Dabei wurde ausschließlich Eigenkapital verwendet, wobei es sich zumeist um Erspartes oder Geschenke zum 21. Geburtstag gehandelt. Dies belief sich auf etwa 6.000 €.

Gar nicht mal so viel, wenn man bedenkt, dass es ein Handelsunternehmen ist. Wie lief der volumenstarke Artikel und was war dein nächster Schritt?

Der erste Artikel lief gut an und es waren größere Nachbestellungen fällig, worauf der gesamte Gewinn investiert wurde. Um langfristig schnelleres und stärkeres Wachstum realisieren zu können, kam mir die Idee, ein Familiendarlehen aufzunehmen. Dies wurde auch schnell realisiert, wodurch Produkt zwei und drei erfolgreich auf den Markt gebracht werden konnten.

Aufgrund verschiedener Gespräche mit Kollegen aus diesem Bereich, wurde mir jedoch klar, dass auch dies nur beschränktes Wachstum ermöglicht und dass sich in der aktuellen Situation eine wirklich sehr gute Chance für die Entwicklung meines Geschäfts bietet. Daher informierte ich mich über Strategien weiterer Kapitalgewinnung.

Da ich keinerlei Lust hatte große Entscheidungsfreiheit in meinem Unternehmen abzugeben und andere Leute direkt an meinem Erfolg zu beteiligen, fiel für mich die Option einen Investor und somit Anteile abzugeben weg. Außerdem wäre eine lange Verhandlungsphase auch nicht optimal gewesen, da so das schnell Wachstum des Unternehmens gefährdet gewesen wäre.

Von einem Kollegen erhielt ich den Hinweis mich mit Fördergeldern, wie etwa einem KfW Kredit zu beschäftigen. Relativ einfacher Zugang und wenig Aufwand, machen diese Art der Finanzierung einfach perfekt für mein Unternehmen.

Ein weiterer Punkt, der dafür sprach den Gründerkredit der KfW, das Startgeld anzuvisieren, sind die aktuell sehr attraktiven Zinssätze von ca. 2%. Ich bin zudem davon überzeugt, dass mein Geschäftsmodell sich genug bewährt hat um das Risiko einer großen Kapitalinvestition einzugehen.

Wie lief für dich der Prozess ab, an das Geld zu kommen. Viele Gründer scheuen den Kontakt mit der Bank. Wie hast du dich informiert?

Zum Thema KfW Gründerkredit gab es online reichlich Infomaterial. Zudem bekam ich durch einen gemeinsamen Freund auch Zugang zu dir, Patrick und konnte mir schon einiges an Wissen zum Ablauf, den Bedingungen usw. direkt vom Experten holen.

Die weitere Recherche bestärkte mich in meiner Sicherheit das KfW Startgeld, also den Gründerkredit zu beantragen.

Ich beschäftigte mich natürlich mit dem Thema Businessplan, der für die Beantragung absolut essentiell war. Ich hatte vorher noch nie einen Businessplan geschrieben, geschweige denn gelesen. Deshalb entschied ich mich dazu, mir professionelle Hilfe von einem Gründungsberater zu holen. Dieser informierte mich über die allgemeinen Gepflogenheiten bei derartigen Krediten. Er stellte mich vor die Wahl, ob er als komplett operativer Berater agieren solle, inkl. schreiben das Businessplans oder lediglich als Controlling Instanz, die den Businessplan beurteilt und Feedback gibt.

Ich entschied mich aus Kostengründen und auch aufgrund des Lerneffekts für alternative Nummer zwei und machte mich selbst an das Schreiben des Business-Plans.

Ich machte mich an die Arbeit und verfasste in zwei knackigen Tagen die erste Rohfassung. Zu diesen erhielt ich mehrfach Feedback. Mit Hilfe der Gründungsberatung wurde ein Finanzierungs- und Investitionsplan über drei Jahre erarbeitet. Die Zahlen dabei sind zwar realistisch, aber durchaus eine Herausforderung.

Nach einreichen des Business-Plans bei der Bank kam es zum ersten Gespräch mit dem Bankberater. In diesem wurde vor allem auf das Geschäftsmodell eingegangen und ich hatte das Gefühl der Berater war außerdem sehr an meiner Person interessiert, wie ich ticke und ob ich ein verantwortungsbewusster Unternehmer bin.

Ich erhielt die Zusage, dass die Bank mich bei der Beantragung des KfW Gründerkredits (Startgeld) begleitet. Die Unterlagen wurden dann noch einmal überarbeitet und der Antrag an die KfW eingereicht.

Was planst du für dein Unternehmen, nach der Kapitalaufnahme?

Mit Hilfe des Kredits möchte ich, in diesem Jahr, meinen Monatsumsatz von 30k€ auf 100k€ ausbauen. Die Chancen dafür stehen durchaus realistisch. Weiterhin möchte ich die Kontakte in Fernost weiter ausbauen, um dort Artikel sourcen zu lassen. Dadurch kann die Effizienz erhöht werden und die Marge gesteigert werden.

Für viele Menschen ist die Kreditaufnahme auch eine psychologische Hürde. Wie fühlst du dich damit, Fremdkapital aufgenommen zu haben?

Im Endeffekt habe ich ein gutes Gefühl. Mein Konzept ist an eigenem Kapital erprobt.

Meine Investitionen bringen direkte Umsatz- und Gewinn Zuwächse und somit die Möglichkeit das schneller und weiter zu wachsen. Trotzdem ist mit Fremdkapital ein gewisses Risiko verbunden. Es ist im Gegensatz zu Eigenkapital auf jeden verpflichtend zurückzuzahlen. Dessen sollte man sich immer bewusst sein.

Mein Rat: Vorhaben mit eigenem Geld testen, emotional und finanziell investiert sein. Klappt das Vorhaben, so kann man mit dem Gründerkredit perfekt das Wachstum steigern und die Rendite hebeln.

 

Vielen Dank, Lucas!

Hier findest du sein Instagramprofil, wenn du Fragen an ihn hast.

Wenn du auch darüber nachdenkst, dein Unternehmen mit Fremdkapital zu mehr Wachstum zu verhelfen, schaue dir hier meine Tipps zum schreiben eines Businessplans an.


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